Zwischen Pjöngjang und Seoul

Koreanisch lernen

Ein altes koreanisches Sprichwort besagt : "Nach drei Jahren in der Schule kann auch der Hund Chinesisch.“ Wie lange man aber Koreanisch lernen muss, um dann die Sprache zu verstehen und zu sprechen, darüber sagt das Sprichwort nichts.

Koreanisch ist die Amts- und Muttersprache von etwa 78 Millionen Menschen in Nord- und Südkorea. Hinzu kommen noch Sprecher in China, Japan und den USA. Die ersten Zeugnisse des Koreanischen stammen vermutlich aus dem 3. Jahrhundert nach Christus, aber bis zur Entwicklung einer eigenen koreanischen Schrift im 15. Jahrhundert gibt es nur wenige schriftliche Zeugnisse und diese zumeist in chinesischen Schriftzeichen.

Eine Sprache zu lernen ist immer ein kleines Abenteuer, ganz besonders natürlich, wenn es sich um eine Sprache handelt, die mit der eigenen Muttersprache nicht verwandt ist und von der nicht einmal die Sprachwissenschaftler wissen, ob sie der Familie der altaischen Sprachen (deren bekanntester Vertreter das Türkische ist) zugeordnet wird oder als isolierte Sprache betrachtet werden muss.

Koreanisch lernen stellt sicher jeden vor eine große Herausforderung, aber, anders als bei vielen anderen asiatischen Sprachen, gibt es im Koreanischen keine Tonhöhen und die Schrift - das Hangeul - ist eine phonetische Schrift, die aus 51 Zeichen besteht und dadurch viel leichter zu erlernen ist als die chinesischen Schriftzeichen. Kennzeichen der koreanischen Sprache sind die Agglutination, grammatische Beziehungen werden, wie beispielsweise im Türkischen auch, durch das Anhängen von Affixen ausgedrückt. Es gibt Vokalharmonie und ein komplexes System der Höflichkeitsbezeugungen. Der Wortschatz ist geprägt von vielen Lehnwörtern aus dem Chinesischen und dem Japanischen, aber auch Lehnwörter aus dem Englischen und sogar aus dem Deutschen haben Einzug in die koreanische Sprache gefunden. So bedeutet taksɯhuntʰɯ (Dachshund) Dackel und aɾɯbajtɯ - von arbeiten - soviel wie Aushilfsjob.

Wer sich also für das Land mit seiner wechselhaften Geschichte und seiner Jahrtausende alten Kultur interessiert und die Menschen, die in den beiden so unterschiedlichen Ländern Nord- und Südkorea leben, der wird, wenn er Koreanisch lernt, sicher einen ganz anderen Zugang und Einblick bekommen, denn die Sprache ist der Schlüssel zu den Menschen und zu einer ganz eigenen Welt.